Franz Bauer steht Ende Juli mit seinem Woodstock-Wohnwagen auf dem großem Herzberg-Musik-Festival in Hessen
Zum Gespräch mit der PNP hat Festival-Fan Franz Bauer ein Camping-Ambiente vor seinem Wohnwagen geschaffen.
Fotos: Harbach (3), Bauer (2)
Von Katharina Harbach
Kirchdorf.
Airbrush-Bilder von Rocklegenden wie Joe Cocker und die Rolling Stones sowie weitere Musik-Symbole und Schriftzüge von außen und Marokko-Innenleben mit edlen Oberflächen: Franz Bauers Wohnwagen „Woodstock ‘69“ ist ein echter Hingucker.
Mit diesem wird der 68-Jährige vom 30. Juli bis 2. August Teil des Herzberg-Festivals, dem „größten Hippie-Festival in Europa“, wie er sagt.
Dass der Kirchdorfer, der bis zum Renteneintritt vor etwa acht Jahren als Projektmanager bei Wacker gearbeitet hatte, Festivalfan mit Leib und Seele ist, sieht man bereits am Ambiente, dass er für den PNP-Termin geschaffen hat:
Auf Campingstühlen mit stilechter Campinglampe setzt man sich mit ihn an den Campingtisch, der diesem Namen mit den hochwertigen Prägungen im Marokko-Stil gar nicht gerecht wird.
Im Hintergrund läuft Rockmusik von Santana über einen Lautsprecher, den Bauer an den Wohnwagen angeschlossen hat.
„Woodstock lebt im Herzberg weiter“
Seit er als Teenager im Kino einen Film über das legendäre Woodstock-Festival gesehen hatte, wurde dies und auch Festivals allgemein zu seiner Lebensphilosophie: Vom Kleidungsstil über Musikgeschmack bis hin zu seiner grundsätzlichen entspannten offenen Einstellung.
Seitdem war er schon auf vielen größeren und kleineren Festivals, wie etwa Nova Rock, Wacken und Herzberg, erzählt der Kirchdorfer.
Er trägt ein lässiges Langarmshirt und eine Lederhose – mit Festival-Stickereien ähnlich wie bei seinem Wohnwagen: etwa die Schriftzüge „Jimi Hendrix“ und „Woodstock. 3 Days. ‚Peace & Music“.
Musikgrößen wie Joe Cocker und Jimi Hendrix sowie Musik-Symbole und viel mehr finden sich auf dem Wohnwagen.
Und unter seinen Festivals hat ihn vor allem das Herzberg nicht mehr losgelassen, wie er erzählt: „Für mich lebt das Woodstock, das ich ja nie live erleben konnte, im Herzberg weiter.
Das Woodstock ist außerdem fast schon ein Mythos, in den viel hineininterpretiert wird.“ Für ihn trage das Herzberg, das es seit mittlerweile 60 Jahren gibt, eben diesen Gedanken weiter: Hippie-Gefühl, zufällige Begegnungen und Gespräche mit den unterschiedlichsten Menschen, auch unbekannte Musiker, viele große, kleine und kleinste Bühnen und Stände, und Momente, in denen spontan auf einer Wiese mit Gitarre und Bongos Musik gemacht wird.
Und heuer wird Franz Bauer nicht einfach nur Besucher beim Herzberg-Festival sein, sondern mit seinem aufwendig gestalteten „Woodstock Wohnwagen“ auch selber ein Teil davon: „Ich habe mittlerweile eine Website für den Wohnwagen, um meinen Prozess der Umgestaltung und meine Reisen damit zu dokumentieren.
So sind die Herzberg-Veranstalter auf mich aufmerksam geworden und haben mir nun einen Platz am Hauptweg in ,Freak City‘ reserviert. Das ist ein sehr zentraler Ort, wo auch viele Händler und Standler sind.
Ziel ist es, dort einen kleinen Woodstock-Treffpunkt für die Gäste zu machen, als Hommage an diesen Spirit.“ Es soll eine Einladung sein, miteinander zu Plaudern, gerne auch bei Bier oder Kaffee, und auch der Wohnwagen darf von den Gästen näher betrachtet und fotografiert werden.
Mit Airbrush-Elementen wie detaillierten Fotos von Rockgrößen wie Joe Cocker oder Alvin Lee, prägnanten Sätzen wie „On the road again“ und Symbolen wie Musiknoten, Gitarren und USA-Flagge ist der Wohnwagen von Franz Bauer bereits von Außen ein echter Hingucker und Magnet für Woodstock-Fans.
2008 hat er das Gefährt von seiner Schwester geschenkt bekommen, es folgte eine jahrelange aufwendige Restauration und Neugestaltung gemeinsam mit seinem besten Freund Mani.
Nun steht der Camper meistens in einer großen Garage neben vielen weiteren Fahrzeugen von verschiedenen Besitzern bei einem Hof in Prienbach.
Besonders auf das Airbrush von Michi Starzengruber aus Ranshofen ist Franz Bauer bei seinem Wohnwagen stolz. Dieses hält sogar Kratzern stand und sieht auch nach dem meterhohem Schlamm, den Bauer nach dem letzten Wacken-Festival erleben musste, mit seinen leuchtenden Farben immer noch aus wie an Tag 1.
Innengestaltung im Marrakesch-Stil
Das erste Teil im Inneren: Eine Plakette mit „Marrakesch“ auf Arabisch und Englisch.
Die aufwendigen Prägungen des Messing-Tisches im Detail.
„Mein Wohnwagen ist für mich Selbstverwirklichung meiner Träume, meine Lebensphilosophie und meine Lebensfreude, das lebe ich auf dem Festival schließlich auch. Das ist einfach mein Leben“, erklärt Franz Bauer.
Auch in den Urlaub fährt er mit dem Camper und mit seiner Frau Doris und seinen beiden Töchtern Teresa und Antonia und seinem Enkel Luis.
„Abgesehen vom auffälligen Wohnwagen sind wir ganz normale Camper: Ich liebe es im Urlaub mitten in der Natur zu sein, etwa beim Frühstücken, und dass ich immer woanders hinfahren könnte“, sagt der Rentner.
Und der Wohnwagen lasse ihn Urlaube und Festivals neu erleben, da er so oft auf Gleichgesinnte treffe.
Auch die Innengestaltung des Wohnwagens kann sich sehen lassen: Hier fühlt man sich wie in Tausendundeiner Nacht. Statuen, Lampen und besondere Oberflächen prägen den marokkanischen Einfluss.
Und all diese Elemente stammen auch direkt aus dem Land, Bauer ist dafür extra mehrere Male alleine nach Marrakesch in Marokko und erhielt vor Ort beim Handeln auf den traditionellen Märkten, den Souks, Unterstützung von seinem Freund Herbie.
Die Messing-Oberfläche von Tisch und Ablage auf dem früheren Herd ist durchzogen mit traditionellmarokkanischen Gravuren in sogenannter Treibarbeit. „Ich bin mit selbstgemachten Schablonen nach Marokko geflogen, um das vor Ort herstellen zu lassen.
Wenn man mit der Hand über die Oberfläche streicht, merkt man, dass das Muster richtig ins Material ,eingeprägt‘ in diesem speziellen Handwerk ist“, erklärt Franz Bauer. „Marrakech Express“ steht auf der Vorderseite seines Wohnwagens in Airbrush, nach einem Song vom Woodstock-Festival: So verbindet Franz Bauer für sich die beiden Welten: Außen Woodstock-Hippie und innen Marokko-Ambiente.
Unzählige Arbeitsstunden hat er bereits in dieses „Selbstverwirklichungs-Projekt“ gesteckt.
Als er und seine Frau Doris den Wert des Wohnwagens von einer Werkstatt schätzen lassen wollten, hieß es, dass das nicht möglich sei, wie sie lachend erzählen.
Das Innere des Campers: Hier herrschen marokkanische Einflüsse mit Statuen und geprägten Oberflächen, direkt aus dem Land geliefert.
Planungen für lokales Woodstock-Event
Franz Bauers Frau Doris ist zwar im Gegenteil zu ihm eigentlich kein derart großer Festival-Fan. Der besonderen Herzberg-Atmosphäre ist sie aber auch verfallen und begleitet ihren Mann daher auch heuer wieder – zum zweiten Mal: „Das ist dort einfach eine schöne Atmosphäre zum Flanieren und Verweilen mit den vielen schönen Buden und den netten Leuten“, erzählt sie begeistert.
Franz Bauer ergänzt: „Das Herzberg hat uns beide fasziniert, weil es sich so familiär anfühlt!“
Und um noch mehr Woodstock zu erleben, diesmal sogar in Niederbayern, schmiedet Franz Bauer schon die nächsten Pläne: „Ich möchte gerne auch selber ein Event auf die Beine stellen: Wie alle meine Projekte ohne kommerziellen Hintergrund, einfach nur, um diesen Spirit zu feiern.
Ich stelle mir das so vor, dass mein Wohnwagen als Kulisse dient und man Original Musik bzw. den Film vom Woodstock 1969 ansieht und eine Live-Band Songs von damals spielt.“
Dazu würden bereits Gespräche laufen. „Dies alles bei einer geeigneten Location mit Bewirtung, da braucht man nur eine überdachte Bühne mit Stromversorgung.“
Interessierte, die Bauer dabei unterstützen wollen, finden auf seiner Website woodstock69.de weitere Informationen und Kontaktmöglichkeiten.