Franz Bauer und sein „Woodstock-Wohnwagen“ sind vom Herzberg-Festival zurück – Besonderes Buch nun Teil des Caravans
Von Katharina Harbach
Kirchdorf. Vier Tage Herzberg-Festival, plus je ein Tag für An- und Abreise sowie vor allem Auf- und Abbau, liegen hinter Franz Bauer, seiner Frau Doris und ihrem „Woodstock-Wohnwagen“.
Am beliebten Hauptweg „Freak City“ war der Wohnwagen als Attraktion geplant, die Erwartungen wurden mehr als übertroffen.
Der besondere Wohnwagen wurde dabei ebenso zum „Ort der Begegnung“ wie ein Buch, das von den Menschen auf dem Festival erzählt.
Airbrush-Bilder von Rocklegenden wie Joe Cocker und die Rolling Stones sowie weitere Musik-Symbole und Schriftzüge von außen und Marokko-Innenleben mit edlen Oberflächen: Franz Bauers Wohnwagen „Woodstock ‘69“, den er jahrelang aufwendig restauriert hatte (PNP berichtete) ist ein echter Hingucker.
Die Idee dahinter: Den Geist von Woodstock 1969 lebendig zu halten.
Sein Fazit nach fast einer Woche Festival Anfang August: „Es war ein ganz anderes Erlebnis als bisher, weil ich eben mit dem Wohnwagen den öffentlichen Auftritt hatte. Das war teilweise auch anstrengend, wenn dann die Zeit zum Chillen gefehlt hat.“
Wohnwagen kam sogar besser an als gedacht
Das letzte Mal, als der Kirchdorfer vor Ort am Herzberg war, konnte er sich mehr auf das Erlebnis der Musik und der Bands konzentrieren, „dieses Mal hat aber mein öffentlicher Auftritt alles dominiert.“
Dafür verbrachte er nachts nach dem ganzen Trubel viel Zeit im „Höllenschuppen“, hier treten überwiegend Jam-, Psychedelic-, Spacerock-, sowie Prog- und Experimental- Bands auf.
Für seine „Wohnwagen-Attraktion“ hatte sich Franz Bauer extra ein besonderes Schild gebaut auf einem riesigen Pfahl: „Come on in. Stories welcome. Just for fun“, steht dort geschrieben, sowie „take some pictures“, „have a good chat“ und „bring some free beer & coffee for us“ und dazu noch Links zu Bauers eigener Website und dem Airbrush-Künstler Michi Starzengruber.
„Mit einem solchen Andrang am Wohnwagen hatten meine Frau Doris und ich jedenfalls nicht gerechnet“, so Bauer. Schon ab dem frühen Morgen, seien es immer über den Tag verteilt einige hundert Besucher gewesen. „Wir haben uns unterhalten, mehrfach weit über eine Stunde lang, und viele Leute haben auch Fotos vom Wohnwagen gemacht.“ So seien mit vielen Leute ganz besondere Gespräche und Erinnerungen entstanden.
Und diese Erinnerungen konnte er auch haptisch mit nach Hause nehmen: Denn Franz Bauer hatte auf dem Weg zum Festival nach Hessen nicht nur das Schild sondern auch ein besonderes Buch mit im Gepäck.
In das „Buch der Begegnungen am Woodstock-Wohnwagen“ durften Leute, mit denen sich Bauer am Wohnwagen-Stand gut verstand, ihre Erinnerungen hinterlassen:
„Ein paar Worte, eine Zeichnung oder einen Gedanken. Einfach nur ein kleines Stück von Dir und lächle“, steht auf einer der ersten Seiten geschrieben.
„Ich wollte in dem Buch nicht möglichst viele Einträge sammeln, sondern auf Qualität achten. Am Ende sind es etwas über 20 Botschaften geworden“, sagt der Kirchdorfer.
Ein Eintrag, der ihm in Erinnerung geblieben ist, stammte etwa von einem besonderen Festivalgast: „Da war ein Mann, der hatte so coole Clownschuhe an, er war auch schon auf vielen Festivals. Mit ihm habe ich mich auch richtig gut unterhalten und er hat mir dann in das Buch eine kleine Zeichnung von sich selber gemalt.“
Das Buch selber besitzt Bauer seit mittlerweile fast 15 Jahren, „es ist mir vor langer Zeit in irgendeinem Geschäft aufgefallen. Bevor ich zum Herzberg-Festival gefahren bin, war für mich klar, dass ich dieses unbedingt mitnehmen muss, damit sich dort Leute eintragen können, die ich dort treffe.“
So entstand eben das Buch der Begegnungen. „Dieses ist nun fester Teil des Wohnwagens, wird ihn auf allen Reisen begleiten und zu einem besonderen Zeitdokument wachsen, auch über mich als Person hinaus“, so Bauer.
Auch einen kleinen Flohmarkt haben Franz Bauer und seine Frau Doris am Wohnwagen veranstaltet, „zum einen haben wir verschiedene Dekoartikel, auch aus Marokko verkauft und meinen 50 Jahre alten Bestand an Schallplatten“, erzählt der Kirchdorfer. Ein wenig Herzschmerz gab es zwar beim Verkaufen, „aber sie machen nun den neuen Besitzern sicherlich viel Freude.“ Auch hier gab es
besondere Begegnungen, wie mit der Radfahrerin Steffi, die erst eine Hängematte kaufte und später spontan unter dem Flohmarkt-Pavillon übernachtete.
Kaum Zeit, um zu Ruhe zu kommen
Trotz dieser toller Erfahrungen und Begegnungen bleibt aber Bauers Fazit: „Ich weiß es ehrlich gesagt nicht, ob ich das wieder so machen möchte, mit diesem großen öffentlichen Auftritt rund um den Wohnwagen.
Es war eben auch anstrengend, weil ich wie schon gesagt kaum Zeit hatte, zur Ruhe zu kommen, etwa um auf dem Campingstuhl zu dösen. “
Die nächsten Reisen des Woodstock-Wohnwagens stehen schon fest: „Kürzlich war ich mit ihm auf dem INNtöne-Jazzfestival in Österreich und im November geht es auf dem Wodanaz Metalfest in Obertraubling, aber alles wird eine Nummer ruhiger als beim Herzberg.“
Und ohne den Wohnwagen ist er Anfang September beim SummaWies Metal-Openair in Ering, „das ist ja mein Heimatort, da brauche ich den Wohnwagen zum Übernachten nicht“, so Bauer.
Im Hintergrund laufen derweil weiter die Planungen für Bauers lokales „Woodstock-Event“: „Wie alle meine Projekte ist das ohne kommerziellen Hintergrund, einfach nur, um diesen Spirit zu feiern.
Ich stelle mir das so vor, dass mein Wohnwagen als Kulisse dient und man Original-Musik bzw. den Film vom Woodstock 1969 ansieht und eine Live-Band Songs von damals spielt, das alles hier in der Region mit Bewirtung.“
Interessierte, die Bauer dabei unterstützen wollen, finden auf seiner Website woodstock69.de weitere Informationen und Kontaktmöglichkeiten.