Auf ihm hat Franz Bauer aus Kirchdorf seine Rockidole, wie Mick Jagger oder Jimy Hendrix verewigt. Der Woodstock-Fan hat aber noch eine weitere Leidenschaft, die man vor allem im Inneren des Vehikels bewundern kann.
Woodstock und Orient:
Dieser Wohnwagen ist ein Hingucker !
In und an seinem „Rock Palace“ hat Franz Bauer seine Leidenschaften verewigt
Von Holger Becker
Franz Bauer vor seinem„Rock Palace“, einem Wohnwagen im Woodstock-Stil.
Fotos: privat
Kirchdorf am Inn. Wenn Franz Bauer (62) mit seinem Woodstock-Wohnwagen übers Land fährt, ist das ein echter Hingucker: Die Außenseite des Wilk 320 QB (Baujahr 1967) zieren Bilder seiner Rock-Idole wie Jimy Hendrix, Janis Joplin und Mick Jagger von den Rolling Stones. Wer die Möglichkeit hat, einmal einen Blick in den Wohnwagen zu werfen, fühlt sich in ein Gemach aus „tausendundeiner Nacht“ versetzt. Franz Bauer hat das Interieur mit seiner orientalische Sammlung von seinen Reisen nach Marokko ausstaffiert. Und auch Franz Bauer selbst ist schon rein äußerlich kein Mann in den Sechzigern.
Ein Besuch im Kino „Sunset“ imKirchdorfer Ortsteil Ritzing im Jahr 1974 veränderte das Leben des damals 16-Jährigen.„Ich sah zum ersten Mal den Film über das Festival in Woodstock im Jahr 1969. Seitdem bin ich absolut infiziert von Woodstock, der Rock-Musik und dem Hippie-Feeling“, gesteht Franz Bauer.
Das legendäre Woodstock-Festival machte Musiker wie Santana, Joe Cocker und Alvin Lee von „Ten Years After“weltberühmt. Statt der erwarteten 60 000 Zuschauer kamen 500 000, was für ein gehöriges Chaos sorgte. Zudem machten Drogen wie Cannabis, Heroin und LSD in Woodstock die Runde.
Franz Bauer war vor allem von den Rockstars und ihrem Sound und der Devise „Peace & Music“ fasziniert. Dabei sein konnte der Elfjährige damals nicht, aber den Lebensstil der Rockfans und Hippies wollte er seit dem Kinofilm unbedingt auch ausleben.
Franz Bauer kleidete sich fortan wie seine Idole: Lederkluft und Hard-Rock-T-Shirts waren genau sein Ding. Letztlich musste er aber auch immer einen Kompromiss eingehen zwischen dem Landleben in Niederbayern, seinem Beruf als Projektmanager bei Wacker und dem bürgerlichen Leben mit seiner Familie.
Mit 50 Jahren aber ein weiterer Meilenstein in seinem Leben: Seine Schwester Charlotte schenkte ihm einen alten Wohnwagen (Baujahr 1967). „Auf den ersten Blick entstand eine zaghafte Liebe zu meinem Wohnwagen. Deswegen sollte er von Grund auf restauriert werden. Als alter Woodstock-Fan entstand die Idee, ihn außen mit einem Woodstock-Airbrush zu veredeln und innen orientalisch einzurichten“, blickt der Inntaler zurück ins Jahr 2008.
Die seltsame Mischung aus Woodstock und Orient rührt von Bauers zweiter Leidenschaft, Marokko in Nordafrika. Seit 2012 bereist er einmal im Jahr dieses Land, in das er sich verliebt hat.
Drei Jahre lang werkelten Bauer und sein Kumpel Mani in insgesamt 1500 Arbeitsstunden an dem Woodstock-Wohnwagen, den er „Rock Palace“ taufte. Innen stellte er die Souvenirs von seinen Marokko-Reisen auf: Tische, Kerzenleuchter und blinkende Messingbeschläge. Für die Rockstar-Airbrushes sorgte Freund Michi von STM Design aus Österreich. Wer genau hinschaut, entdeckt dabei zwei Musiker, die gar nicht beim Woodstock-Festival dabei waren: Mick Jagger und Keith Richards von den Rolling Stones.
„Das ist bei meinen Fahrten wirklich erst einem aufgefallen. Ich bin ein Jagger- und Richards-Fan und außerdem haben die Stones ein paar Tage vor Woodstock im Londoner Hyde-Park auch ein Konzert gegeben, zu dem 500 000 Menschen kamen“, schmunzelt der Inntaler Alt-Rocker.
Bis heute reist der Rentner mit seinem Wohnwagen gern durch Deutschland und Österreich, am liebsten zu Rock-Festivals: „Ich war auch schon beim Herzberg-Festival, das auch 1969 erstmals stattfand. Es ist faszinierend, welche Leute da kommen, da geht es zu wie zu Hippie-Zeiten“. Nicht umsonst heißt das Festival in der Nähe von Fulda im Volksmund auch „Bonsai-Woodstock“. Es ist mit 12 000 Besuchern das größte Hippie-Festoval Europas. Hier fühlt sich Franz Bauer pudelwohl. Im letzten Jahr wollte er eigentlich mit seinem Wohnwagen in die USA zum 50-jährigen Jubiläum des Woodstock-Festivals, aber: „Es war unsicher, ob es überhaupt stattfindet und wurde letztlich ja auch abgesagt“, bedauert der Woodstock-Fan.
Der 62-Jährige betreibt eine eigene Website (www.woodstock69.de), in der er in Bildern das legendäre Festival von Woodstock und die Geschichte um seinen Wohnwagen Revue passieren lässt. Dort kann man auch seinen Wohnwagen anmieten, zum Beispiel für Festivals, Produktpräsentationen, Film- und Fotoaufnahmen. Denn Bauer weiß: Die Rockstars von 1969 faszinieren auch heute noch – nicht nur ihn.
„3 Days of Peace & Music“: Das Woodstock-Festival zog Franz Bauer nach einem Kinobesuch mit 16 Jahren in seinen Bann.
Eine weitere Leidenschaft: Franz Bauer stattete seinen Wohnwagen mit zahlreichen Souvenirs aus Marokko aus.