Am vergangenen Wochenende war Franz Bauer mit seinem Camper zu Gast am Inntöne Festival in Diersbach. Fotos: PNP (2), privat
Im Inneren des Campers herrschen marokkanische Einflüsse.
Musikgrößen wie Joe Cocker oder Jimi Hendrix finden sich auf dem Wohnwagen.
KIRCHDORF, INNVIERTEL. Airbrush-Bilder von Rocklegenden wie Joe Cocker und die Rolling Stones sowie weitere Musik-Symbole und Schriftzüge von außen und Marokko-Innenleben mit edlen Oberflächen: Franz Bauers Wohnwagen „Woodstock ‘“ ist ein echter Hingucker.
Mit diesem war der 68-Jährige aus dem bayerischen Kirchdorf am Inn zuletzt zu Gast auf dem Inntöne-Festival in Diersbach und bietet damit für die Besucher eine Plattform zum Austausch und gegenseitigem Kennenlernen.
Seit er als Jugendlicher im Kino einen Film über das legendäre Woodstock-Festival gesehen hatte, wurde dies und auch Festivals allgemein zu seiner Lebensphilosophie: vom Kleidungsstil über Musikgeschmack bis hin zu seiner grundsätzlichen entspannten offenen Einstellung.
Seitdem war er schon auf vielen größeren und kleineren Festivals, wie etwa Nova Rock, Wacken und Herzberg, erzählt der Kirchdorfer im Gespräch mit der Passauer Neuen Presse.
„Ich habe mittlerweile eine Website für den Wohnwagen, um meine Reisen damit zu dokumentieren. So sind auch Veranstalter auf mich aufmerksam geworden und haben mir spezielle Plätze reserviert.
Zentrale Orte, wo auch Händler und Standler sind. Ziel ist es, dort einen kleinen Woodstock-Treffpunkt für die Gäste zu machen, als Hommage an diesen Spirit“, sagt Bauer.
Marokkanisches Ambiente
Sein Wohnwagen soll eine Einladung sein, miteinander zu plaudern, gerne auch bei Bier oder Kaffee, und auch der Wohnwagen darf von den Gästen näher betrachtet und fotografiert werden.
Anlass für den Besuch in Diersbach war unter anderem ein Treffen mit zwei Freunden, die Bauer im vergangenen Jänner in der marokkanischen Stadt Marrakech(= Korrektur) kennengelernt hat.
Dokumentiert werden diese Besuche nicht nur digital, sondern auch in seinem „Buch der Begegnungen am Woodstock-Wohnwagen“:
„Jeder Eintrag macht das Buch ein bisschen bunter und mich ein bisschen reicher an schönen Erinnerungen“, sagt Bauer.
Marokko hat es dem 68-Jährigen angetan. Davon zeugt die Innengestaltung des Wohnwagens, die sich sehen lassen kann:
Hier fühlt man sich wie in Tausendundeiner Nacht. Statuen, Lampen und besondere Oberflächen prägen den marokkanischen Einfluss.
Und all diese Elemente stammen auch direkt aus dem Land, Bauer ist dafür extra mehrere Male alleine nach Marrakesch gereist.
Die Messing-Oberfläche von Tisch und Ablage auf dem früheren Herd ist durchzogen mit traditionell-marokkanischen Gravuren in Treibarbeit.
„Ich bin mit selbstgemachten Schablonen nach Marokko geflogen, um das vor Ort herstellen zu lassen. Wenn man mit der Hand über die Oberfläche streicht, merkt man, dass das Muster richtig ins Material eingeprägt ist“, erklärt Bauer.
„Marrakech Express“ steht auf der Vorderseite seines Wohnwagens in Airbrush, nach einem Song vom Woodstock-Festival: So verbindet Franz Bauer für sich die beiden Welten: außen Woodstock-Hippie und innen Marokko-Ambiente.
Unzählige Arbeitsstunden hat er bereits in dieses „Selbstverwirklichungs-Projekt“ gesteckt.
Als er und seine Frau Doris den Wert des Wohnwagens von einer Werkstatt schätzen lassen wollten, hieß es, dass das nicht möglich sei, wie sie lachend erzählen.
2008 hat Bauer das Gefährt von seiner Schwester geschenkt bekommen, es folgte eine jahrelange aufwendige Restauration und Neugestaltung gemeinsam mit seinem besten Freund Mani.
Nun steht der Camper meistens in einer großen Garage neben vielen weiteren Fahrzeugen von verschiedenen Besitzern bei einem Hof in Prienbach.
Besonders auf ein Airbrush – eine Spritztechnik, bei der flüssige Farbe über eine stiftähnliche Pistole fein zerstäubt wird – von Michi Starzengruber aus Ranshofen ist Franz Bauer bei seinem Wohnwagen stolz.
Dieses hält sogar Kratzern stand und sieht auch nach dem meterhohen Schlamm, den Bauer nach dem letzten Wacken-Festival erleben musste, mit seinen leuchtenden Farben immer noch aus wie an Tag eins.
Eigenes Event in Planung
„Mein Wohnwagen ist für mich die Selbstverwirklichung meiner Träume, meine Lebensphilosophie und meine Lebensfreude.
Das lebe ich auf den Festivals schließlich auch.
Das ist einfach mein Leben“, sagt Bauer.
Auch in den Urlaub fährt er mit dem Camper und nimmt dabei gerne seine Frau Doris sowie seine beiden Töchtern Teresa und Antonia und seinen Enkel Luis mit.
„Abgesehen vom auffälligen Wohnwagen sind wir ganz normale Camper: Ich liebe es, im Urlaub mitten in der Natur zu sein, etwa beim Frühstücken, und dass ich immer woanders hinfahren könnte“, sagt der Pensionist.
Und der Wohnwagen lasse ihn Urlaube und Festivals neu erleben, da er so oft auf Gleichgesinnte treffe.
Um noch mehr „Woodstock“ zu erleben, diesmal sogar in Niederbayern, schmiedet Franz Bauer schon die nächsten Pläne:
„Ich möchte gerne auch selber ein Event auf die Beine stellen.
Wie alle meine Projekte ohne kommerziellen Hintergrund, einfach nur, um diesen Spirit zu feiern.
Ich stelle mir das so vor, dass mein Wohnwagen als Kulisse dient und man Originalmusik beziehungsweise den Film vom Woodstock ansieht und eine Live-Band Songs von damals spielt.“
Dazu würden bereits Gespräche laufen.
„Dies alles bei einer geeigneten Location mit Bewirtung, da braucht man nur eine überdachte Bühne mit Stromversorgung."
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