Franz Bauer und Michael Starzengruber vor dem Woodstock-Wohnwagen: Das Airbrush-Design macht den Oldtimer zum rollenden Kunstwerk. hochgeladen von Anja Kern
Ein rollender Hippie-Traum, inspiriert von Woodstock und gebaut aus Freundschaft: Im Wohnwagen von Franz Bauer lebt der Geist von „Love, Peace & Music“ weiter – und zeigt, wie gemeinsames Tüfteln und Offenheit Grenzen überwinden können.
KIRCHDORF, BRAUNAU. Während draußen der Regen gegen die Fenster trommelt, stoßen Franz Bauer und Michael Starzengruber mit einer Tasse Tee an. Der Duft von Minze mischt sich mit dem leisen Klingen der Tassen – und mit dem Gefühl, angekommen zu sein. Der Woodstock-Wohnwagen, in dem sie sitzen, ist mehr als ein fahrbarer Untersatz: Er ist das Ergebnis einer besonderen Freundschaft und gelebter Freiheit.
Die gemeinsame Arbeit am Woodstock-Wohnwagen hat aus Bauer und Starzengruber gute Freunde gemacht.
Der Wohnwagen, ein Geschenk von Bauers Schwester Charlotte zum 50. Geburtstag, war einst ein Sanierungsfall.
„Der stand zwischen Strohballen, alles war alt und verstaubt“,
erinnert sich der 68-jährige Kirchdorfer.
Gemeinsam mit Freunden entkernte und renovierte er das Gefährt – außen inspiriert von Woodstock, innen mit marokkanischem Flair. Jedes Detail hat eine Geschichte, jedes Stück hat Bauer mit Bedacht ausgewählt.
Love, Peace and Music
Ab 2012 begann die Außengestaltung – und brachte den Airbrush-Künstler Michael Starzengruber auf den Plan.
„Die Oberfläche eines Wohnwagens ist viel rauer als die eines Autos. Da musste ich erfinderisch werden“, erzählt der 47-jährige Ranshofner.
Für Bauer war schnell klar: Mit Starzengruber hatte er jemanden gefunden, der nicht aufgibt und, wie er sagt, „eigentlich alles kann“. Nostalgische Motive, Musiker der 1960er und ein tanzendes Hippie-Girl zieren heute den Wagen – und machen ihn unverwechselbar.
„Die Grundidee war, mit 20 Prozent Aufwand 80 Prozent vom Ergebnis zu erreichen“, erklärt Starzengruber.
Perfektionismus war zweitrangig, wichtiger war das Lebensgefühl. Der zweifache Papa ist selbst gerne mit dem Wohnmobil unterwegs und weiß, wie viel ein rollendes Zuhause bedeuten kann.
Michael Starzengruber bei der Arbeit – seit 2012 kommen immer wieder neue Elemente dazu. hochgeladen von Anja Kern
Was als künstlerisches Projekt begann, ist längst zu einer engen Freundschaft geworden.
Die beiden Männer trennen rund "20 Sommer", wie Bauer es formuliert, und eine Landesgrenze, die beide gerne überschreiten.
Trotz Altersunterschied verbindet sie die Begeisterung für Musik, Freiheit und das gemeinsame Tüfteln.
„Wir haben viel Zeit miteinander verbracht, diskutiert, gelacht und gearbeitet. Das schweißt zusammen“, erzählt Bauer.
Jedes Detail in Bauers Wohnwagen erzählt eine eigene Geschichte.
Als Wohnmobil-Nomaden sind die beiden Männer es gewohnt, unterwegs zu sein und immer wieder neue Länder zu durchqueren. Für Starzengruber war schon seine Ausbildung zum Tätowierer ein Schritt ins Nachbarland: Statt in Österreich, wo viel Theorie verlangt wird, entschloss er sich direkt von erfahrenen Profis in Bayern zu lernen.
Auch Bauer genießt es, auf beiden Seiten der Grenze unterwegs zu sein. Schon als Jugendlicher lernte er in Braunau das „Hussen“ – und damit, wie weit man gehen kann, ohne jemandem zu nahe zu treten.
"Spaß machen und ein bisserl provozieren gehört zum Hippie-Leben dazu, aber immer mit Respekt“, sagt er.
Beide sind sich einig: Vieles, was auf dem Papier trennt, wird unterwegs zur Einladung, Neues auszuprobieren.
Besonderes Lebensgefühl
Bauer lebt nach seinem Motto „Hippie my life“: das Leben bunt und offen gestalten, sich selbst und anderen Gutes tun, neugierig bleiben. Überall, wo er mit dem Wohnwagen Halt macht, sammelt er Begegnungen und Geschichten. Besonders das Nova Rock Festival ist für ihn ein Fixpunkt im Jahr. „Mit dem Wohnmobil bin ich eigentlich überall zu Hause“, sagt Bauer. Sein sicherer Hafen sei jedoch seine Frau Doris.
Das Hippie-Girl ist für Franz Bauer Ausdruck der absoluten Freiheit.
Wer also zur Festivalzeit im Grenzraum zwischen Braunau und Simbach unterwegs ist, entdeckt mit ein bisschen Glück den Woodstock-Wohnwagen, der sich auf den Weg zu neuen Abenteuern macht.
Er ist ein Ort, an dem Lebensfreude, Offenheit und Freundschaft Platz haben – und an dem Grenzen keine Rolle spielen.
Und ganz besonders lieben Dank Anja für deinen tollen Eintrag in meinem „Buch der Begegnungen am Woodstock-Wohnwagen“.
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Jeder Eintrag macht das Buch ein bisschen bunter – und mich ein bisschen reicher an schönen Erinnerungen 🌟